Gandhi sagte, wir dürfen das Gewohnte nicht verwechseln mit dem Natürlichen. Was wir gewohnt sind, ist nicht unbedingt natürlich. Und das Natürliche sind wir vielleicht nicht mehr gewohnt?
In diesem Blog...
...versuche ich Wissen und Ideen zu teilen. Denn ich glaube daran, daß wir in der Lage sind, sinnvoll zusammen zu arbeiten. Sinnvoll = im Sinne des Lebens!
Nachrichten, Feedback, Resonanz... sind willkommen!
... wird was gekocht
Der Name für diesen Blog entstand, nachdem meine Freundin Ana aus Brasilien mir den Film gezeigt hat: Das Schweigen des Palastes (hier mit deutschen Untertiteln).
Was uns beide darin tief berührt: Die Fürsorge der Frauen füreinander - in Situationen die nicht vieler Worte bedürfen, weil alle Frauen der Welt sie kennen.
Situationen, die es nicht geben sollte... 🙁
Nicht mehr geben darf!
Die Küche gehört den Frauen! (Männer sind willkommen - haben aber nicht das Sagen 🤨)
In der Küche fängt alles an. Wird erzählt, gelacht, geweint...
Etwas entsteht, das uns ernährt und tröstet. Bringt Leib und Seele zusammen. 🙂
Das Prinzip Leben
Die Natur... klingt gut, duftet, wunderschön... und kann ewig so weitergehen!!!
Was genau ist es, was sie anders macht?
Vielleicht macht sie einfach keine Unterschiede? Kein Luxus - keine Armut. Was sie gibt, steht frei zur Verfügung, nicht wahr?
Keine Vorschriften und Verbote. Der Raum ist frei...
Nur wir selbst wissen genau, was wir grade brauchen. Zuverlässig treffen alle Meldungen bei uns ein: zu warm, Hunger, Pippi machen... Spielend findet sich eine Lösung: die bestmögliche - für alle. ("Besser geht nicht", wie Inge gern sagt.)
In der freien Natur organisiert sich jedes lebende Wesen von innen heraus, in feiner Abstimmung mit der Umgebung.
Während wir... erst mal fragen:
Darf ich das? Ist das erlaubt?
Gehört der oder die... zu uns?
Bin ich überhaupt zuständig?
Und was sagen die Nachbarn?
(Seufz!) So kommen wir, klar, nie auf einen grünen Zweig!! 🙁
Selbstbestimmung ist Voraussetzung für Ordnung!
Bestimmt kennt ihr solche Momente: mit Kindern, unter Freunden, Kolleginnen, im Verein... Wenn es leicht geht, gemeinsam was Schönes entsteht. Weil keine(r) sich erhebt über die anderen.
Prinzip "Unterdrückung"
Das Prinzip Unterdrückung hat unermeßliches Leid verursacht...
...und ist bis heute aktiv an allen Ecken und Enden: in Einkommens-Unterschieden zum Beispiel. Oder in Zerstörung unserer Lebensgrundlagen durch ganz legale Technik!
Und auch in unserem Denken: "Ich muß, ich soll, man darf doch nicht..." "Ist nicht so wichtig...." "Stell dich nicht an!"
Unterdrückung bedeutet für die Betroffenen immer: ihre Bedürfnisse werden mißachtet.
Gefühle und Bedürfnisse
Wußtest du, daß Gefühle immer zu einem Bedürfnis gehören? Sie sind unsere Statusmeldungen, die zuverlässig anzeigen, was grad los ist. Zum Beispiel:
"Ich fühl mich frustriert, weil ich will, daß was Brauchbares rauskommt bei dem was ich tue, verdammt nochmal!"
"Bist du wütend, weil du brauchst, daß gesehen und geschätzt wird, was du leistest? Fairen Ausgleich?"
"Wenn ich .... höre, denke ich: da werden Leute über einen Kamm geschoren. Das tut mir weh! Ich will, daß jeder Mensch einzeln betrachtet wird!"
"Bin erleichtert, weil ich mich jetzt sicher fühle."
Indem wir die Gefühle mit dem Bedürfnis verbinden, können wir sie geradewegs äußern, ohne andere dafür verantwortlich zu machen.
Schon mal ein guter Anfang, nicht wahr? 🤨
Mitfühlen mit mir selbst
Wenn unsere Gefühle unermeßlich erscheinen, "groß wie ein See"... dann könnten Bedürfnisse aus früher Kindheit betroffen sein, vielleicht sogar aus der Zeit im Bauch. Oft hilft es schon ein bißchen, wenn wir verstehen was wir damals gebraucht hätten und uns selbst damit annehmen: "Ich nehme mich an, wie ich bin, auch mit diesem immensen Verlangen... nach Verbindung und Halt."
Verurteilen...
"Du bist dumm!" "Hast wieder vergessen..."
Wie geht`s dir, wenn du so was hörst?
Lust, weiter zu zu hören??
Verurteilt werden, verschließt die Ohren!
Und Urteile, Schubladen hindern uns... am Austauschen und am Zusammenarbeiten.
... und "verzeihen"
"Warum hab ich das nur getan! Wie konnte ich...!!"
Marshall Rosenberg meint, 90% unserer Schmerzen stammen vom Verurteilen.
Uns selbst verzeihen ist ganz leicht: Wir brauchen uns nur zu fragen, was der GUTE GRUND war, aus dem dies oder jenes geschah.
"Ah! Die Tasse ist mir runtergefallen, weil ich in Gedanken mit etwas beschäftigt war, was mich sehr bewegt!"
Das ist schon alles!
War die Erleichterung zu spüren? 🙂
Der gute Grund
Marshall besuchte in Gefängnissen Inhaftierte die lange Strafen verbüßten und stellte allen dieselbe Frage.:"Was war der gute Grund aus dem du das getan hast, weswegen du jetzt hier bist?" Verblüffung war die Antwort - diese Frage hatte offenbar noch nie jemand gestellt.
"Ich bin sicher", so fuhr er fort "wenn wir herausfinden aus welchem Bedürfnis du gehandelt hast, finden sich andere Wege es zu erfüllen."
Unterschiede
"Du ja. Du nein!"
Du darfst, du darfst nicht...
aufs Gymnasium gehen
in den Urlaub fliegen
in einem eigenen Haus wohnen (mit Garten!!)
Unterdrückung beruht auf "Unterschiede machen".
Irgendwann hat es angefangen. Jemand meinte: ICH bin wichtiger. Und DU mußt mich bedienen!
Solidarität...
...heißt: füreinander eintreten. Da wo wir selbst nicht betroffen sind.
Hinschauen, hingehen und fragen: Wie geht`s dir? Was brauchst du?
Aufhören zu übervorteilen, Geraubtes zurückgeben, Vorrechte ablegen.
Durch Solidarität heben wir das "Unterschiede machen" auf!
Verständigen geht einfach
Das Schöne ist: wir müssen nichts erfinden. Nur ablesen, was schon da ist - was wir gerade denken, fühlen, brauchen. Und die Veranwortung dafür übernehmen, daß das unsere Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse sind. Zum Beispiel so:
"Ich denke, ich wurde im Stich gelassen. Und bin sauer: brauche Verlässlichkeit!"
"Bin traurig - möchte dazugehören, mitmachen, auch was beitragen."
Es kann manchmal auch helfen, heiße Situationen zu entschärfen:
"Wenn ich das Messer in deiner Hand sehe, denk ich, jemand könnte verletzt werden. Und dann wird mir mulmig, weil ich brauche, daß wir alle unversehrt bleiben!"
Zuerst müssen wir aber dahin gehen, wo der Schmerz am größten ist. Denn wer Schmerzen hat - kann nicht zuhören.
"Bist du rasend, weil du denkst deine Eltern wurden beleidigt? Und was du brauchst ist... Respekt?"
Wenn wir richtig geraten haben - können wir die Entspannung sehen und spüren!
Doch nicht immer bleibt Zeit für viele Worte...
Macht einsetzen: zum Schutz oder zur Strafe?
Die Idee beim Bestrafen ist: Wir tun jemandem weh im Glauben daß die Person davon "besser" wird. Was ist eure Erfahrung - funktioniert das?
Wenn wir dagegen ein kleines Kind kurzerhand von einer befahrenen Straße holen, setzen wir auch Macht ein. Das Ziel ist dann aber ausschließlich der Schutz.
Ich bin für eine Reform: "Schutz-Recht" statt "Strafrecht"!
Was für Möglichkeiten entstehen, wenn wir die Idee des Bestrafens fallen lassen und uns statt dessen fragen: Wie können wir wirksamen Schutz herstellen?
"A lei Maria da Penha" in Brasilien, eins der modernsten Gesetze zum Schutz von Frauen vor Gewalt, beruht, glaub ich, auf diesem Prinzip.
Gewaltfreie Präsenz
Diese Idee enstand aus der Not. In Israel, wo Eltern verzweifelt waren, weil ihre Kinder sich Zugang zu Drogen und Waffen verschafft hatten...
Der Therapeut Haim Omer hat sie gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt.
Wir bleiben präsent, ziehen uns nicht zurück - außer in akuter Gefahr, aber wir kommen wieder. Wir setzen selbst keinerlei Gewalt ein - keine Vorwürfe, Drohungen, Strafen...
Das war am Anfang das Schwerste: die Scham überwinden und andere um Unterstützung bitten. Verwandte, Freunde, die Lehrerin... Menschen die dem Jugendlichen nahe stehen. Sie werden gebeten, gewaltfrei ihre Betroffenheit und ihre Bitten zum Ausdruck zu bringen.
Könnte ihr euch vorstellen, wie beeindruckend es sein kann, wenn mehrere Erwachsene vor dem Zimmer eines Kindes sitzen und ruhig sagen: "Du bist uns wichtig. Wir gehen nicht weg, bis wir gemeinsam eine Lösung gefunden haben." ?
Marshall Rosenberg
Marshall Rosenberg wuchs in einem "Problemviertel" auf, in den 1940er Jahren am Stadtrand von Detroit. Er wurde gemobbt und verprügelt - für seinen jüdischen Nachnamen. In der gleichen Periode ging die Polizei mit brutaler Gewalt vor gegen Afroamerikanische Arbeiter, die sich versammelt hatten um für Grundrechte zu streiten - auch in Marshall`s Viertel.
Bei Marshall`s Großmutter dagegen waren ALLE Kinder willkommen.
So erlebte er zwei Welten: die Welt der Gewalt, die zu Verwüstung und Stagnation führt - und die des Friedens, wo es Raum gibt für Austausch, spielen, lachen...
Gewaltfreie Kommunikation
Marshall suchte eine Antwort auf die Frage, wie wir solchen Frieden schaffen können. Und fand schließlich diese:
Aufhören Leute in Schubladen zu stecken, aufhören zu verurteilen... Statt dessen unerschütterlich zu dem stehen, was wir brauchen!
Diesen Weg nannte er "non-violent communication" (wörtlich: verständigen ohne Gewalt zu tun) - ins Deutsche wurde es damals übertragen mit: Gewaltfreie Kommunikation (GFK).
Ich nenne es gern: gleichwürdig verständigen. Die Bedürfnisse aller sind gleich wichtig.
Marshall Rosenberg half Konflikte beilegen und lehrte in vielen Teilen der Erde. Die Zitate von ihm auf meinen Seiten stammen von einem workshop in München (DVD "Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation" Jokers edition, Auditorium Netzwerk 2007).
Das ist mein Lieblings-Spruch von ihm:
"Wenn mein Bauch voll ist, bin ich vielleicht satt. Aber mein Bedürfnis nach Nahrung ist nicht erfüllt, so lange so viele Menschen hungern!"
Hier erzähle ich, was diese Erkenntnisse mir persönlich gebracht haben.
Trauma und Therapie
Unter "Trauma" verstehe ich ein sehr verstörendes Erlebnis, das noch nicht verarbeitet wurde. Die einzelnen Teile dieser Erfahrung liegen sozusagen unverdaut im sogenannten "heißen Gedächtnis", der Amygdala, dem Alarm-Zentrum unseres Gehirns.
Von dort aus können sie sich bemerkbar machen in Albträumen oder in plötzlich einschießenden Bildern, Gedanken, heftigen Emotionen, Zuständen...
In der Therapie wird zunächst ein sicherer Rahmen geschaffen. Unter anderem indem wir herausfinden, wie wir uns selbst am besten stabilisieren. Die reale Gefahr ist ja vorbei, das was noch übrig ist, sind "nur" Erinnerungen.
Die eigentliche Verarbeitung organisiert sich dann von innen heraus, selbstbestimmt. (Unser System weiß, was wann "dran" ist)
Dabei werden die Bruchstücke "richtig" zusammengesetzt, verknüpft mit "normalen" Erfahrungen und abgelegt im "kalten Gedächtnis", dem Sprachzentrum.
Ist dieser Prozeß abgeschlossen, kann das Erlebte nun in der Regel in Worte gefaßt werden und löst keine heftige Erregung mehr aus. Der allgemeine Streß-Pegel nimmt ab.
Diese Beschreibung eines typischen Ablaufs einer Therapie stellt kein Heilversprechen dar!
EMDR
EMDR ist eine Therapieform die vor allem in der Traumatherapie angewendet wird, aber auch z.B. bei chronischen Schmerzen oder nach Schlaganfällen.
Francine Shapiro fand heraus, daß das Verarbeiten leichter geht, wenn gleichzeitig die beiden Hirnhälften abwechselnd angeregt werden (= bilaterale Stimmulation).
Bilaterale Stimmulation erfolgt über die Augen, die Ohren oder über Berührung. (Zum Beispiel sich selbst abwechselnd auf die Oberschenkel klopfen).
Die geteilte Aufmerksamkeit (außen und innen) verhindert ein Abgleiten in heftige emotionale Zustände.
Der Prozeß läuft auf einer vorbewußten Ebene: wir bekommen nur einzelne "Flitze" mit. Das macht es schonend.
EMDR wird auch im Coaching eingesetzt, vielleicht um eine Entscheidung zu treffen oder die eigenen Fähigkeiten wieder besser zu spüren. Und kann helfen sich selbst zu beruhigen, zu stabilsieren.
Mehr-Generationen-Trauma
Der Film "Der Fuchs" hat mich sehr berührt. Er handelt von einem Trauma, das wohl Teil jeder Familiengeschichte ist: Das Trauma der Armut.
Wir sehen jemanden zusammenzucken... und wir zucken zusammen. Wir sehen und hören jemanden sprechen und die gleichen Muskeln werden in uns aktiviert. ( Joachim Bauer: "Warum ich fühle was du fühlst" ) So können auch Traumata von Eltern oder Großeltern an Kinder weiter gegeben werden.
Als mein Vater 5 Jahre alt wurde, geschah der schreckliche Angriff auf Dresden, am 13. Februar 1945. Meine Oma lief danach jeden Tag zu ihrer Arbeitsstelle in Holzschuhen durch die ganze Stadt, vorbei an Toten, durch Trümmer. Sie war es auch, die mir von den jüdischen Familien erzählte, die abgeholt wurden. Daß alle es wußten: Es stand sogar in der Zeitung! Ich konnte ihre Abscheu gegen die Gewalt und ihr Mitgefühl deutlich spüren.
Kann es sein, daß diese unfaßbar grausamen Erfahrungen uns Dresdnerinnen heute noch in den Knochen stecken?
Schuldig fühlen hilft niemandem, sagte Magogodi oaMphela Makhene.
Im Gegenteil: Ich glaub, Schuldgefühle hindern uns daran, hinzuschauen. Weil wir dann damit beschäftigt sind, uns zu verteidigen.
Wenn wir das Beschuldigen sein lassen, können wir eines Tages vielleicht... einander wirklich sehen und hören? Trost, Halt, Unterstützung geben - aus freien Stücken.